Die vorrangige Absicht jeder Planung ist die konzeptionelle Vorwegnahme von noch nicht existierenden zeitlichen Zuständen. Aus diesem Prozess sind Computeranwendungen nicht mehr wegzudenken. Die Aufgaben gehen dabei allerdings über Visualisierung und Datenmanagement hinaus.
Im wichtigsten Werkzeug der Städtebauer und Raumplaner, den Geografischen Informationssystemen, ist die Bewältigung und Interpretation der Zeitkomponente nicht hinreichend möglich. Zwar ist es möglich, eine Vielzahl von chronologische Zustände zu verwalten, jedoch werden diese nur in Form von zeitlichen Momentaufnahmen nebeneinander geführt. Es fehlt also eine sinnvolle Verknüpfung des räumlichen und des zeitlichen Bezugs. So arbeitet man mit einem a-historischen Werkzeug, das leer in der Dimension der zeitlichen Veränderung ist.
Versucht man den Umgang mit Zeit analog zum intuitiven Umgang mit Raum in den Griff zu bekommen, so setzt das den Aufbau einer kognitiven Karte voraus. Durch die Festsetzung des Standpunktes im Jetzt und die darauf bezogenen vergangenen Zustände lässt sich ein Bild des Vergangenen erstellen.
Versucht man allerdings die Prozesshaftigkeit von Vorgängen zu berücksichtigen, so ist es notwendig die bisherigen Ansätze weiterzudenken. Der Planungsprozess müsste sich mit den zugrungeliegenden Algorithmen beschäftigen. Idealerweise bedeutet das, die Berücksichtigung von unendlich vielen Zeitzuständen.
Als eine Art von Kompromiss könnte das in Form von endlich vielen Ausschnitten kombiniert mit einer entsprechenden Interpolierungsmethode passieren. In den folgenden Kapiteln möchte ich aus den traditionellen Methoden der Zeitgeografie einen Ansatz entwickeln. Die Darstellung baut auf der Diskretisierung der Zeit auf, was der Interpretation in den gängigen Animationssoftwarepaketen entspricht, und ermöglicht so eine computergestützte Simulation von nichtlinearen Dynamiken in Prozessen.